Dolasilla beschloss, nur so lange Kriegsheldin zu bleiben, bis sie heiratete. Als sie zu ihrem Vater zurückkehrte, war dieser zunächst verärgert, da sie die geraubten Gegenstände den Zwergen zurückgegeben hatte. Doch die Aussicht, dass seine Tochter eine Heldin werden würde, stimmte ihn rasch um. Er ließ untersuchen, was sich am Silbersee ereignet hatte, und seine Leute fanden Silberschilf, aus dem unfehlbare Pfeilspitzen hergestellt werden konnten. Von da an verloren die Fanesleute keinen Krieg mehr und Dolasilla wurde aus Dank vom König am Kronplatz mit dem Edelstein „Rajëta“ gekrönt.
Eines Nachts erschien Dolasilla im Traum ein toter Feind und prophezeite ihr, dass ein Kampf mit Zauberei auf Dauer nicht gut enden würde. Sie und ihre Mutter fürchteten sich, doch der Vater ließ sie weiterkämpfen. Inzwischen schmiedete der Zauberer Spina de Mul ein großes Bündnis gegen das Fanesreich, da er es auf Dolasillas Edelstein abgesehen hatte.
Spina de Mul gewann den Helden Ey de Net für sich, doch dieser war von der Königstochter in ihrer weißen Rüstung und auf ihrem Schlachtross beeindruckt. So musste Spina de Mul selbst eingreifen: Er schoss einen Zauberpfeil auf Dolasilla und verletzte sie schwer. Ey de Net fühlte sich betrogen und wechselte die Seite. Die Rüstung der Zwerge konnte jedoch nur normale Pfeile abwehren, weshalb sie zusätzlich ein Schild gegen Zauberpfeile schmiedeten, das Ey de Net im Kampf trug.
Wenig später hielt Ey de Net um die Hand von Dolasilla an. Der Vater kannte jedoch die Weissagung, dass Dolasilla ihre Kampfkraft verlieren würde, sobald sie heiratete. Aus Geldgier verriet der König schließlich sein eigenes Land und verkaufte das Fanesreich an die Feinde. Er versprach, dass Dolasilla nicht mehr kämpfen würde, und verbannte Ey de Net. Auch er selbst zog sich zurück und wartete die Niederlage ab.
Dolasilla war über die Verbannung von Ey de Net tief betrübt. Sie ritt über die Wiesen, wo sie verwahrloste Kinder traf. Diese baten sie so lange, bis sie ihnen ihre letzten unfehlbaren Pfeile schenkte. Sie ahnte nicht, dass Spina de Mul die Kinder geschickt hatte und so in den Besitz der Pfeile gelangte.
Am Morgen vor der großen Schlacht, die der König selbst heraufbeschworen hatte, verfärbte sich Dolasillas Rüstung schwarz. Dennoch zog sie auf Bitten der Fanesleute in den Kampf.
Die Feinde waren verwirrt, da sie Dolasilla in weißer Rüstung erwartet hatten. Als sie die Situation erkannten, schossen sie Pfeile auf sie. Dolasilla starb.
Der König, der am Lagazuoi wartete, wusste nichts von den großen Verlusten der Feinde und ahnte nicht, dass seine Tochter gefallen war. Als er keine Belohnung erhielt und vom Tod Dolasillas erfuhr, wurde der verräterische „falsche König“ (falza rego) zu Stein. Noch heute kann man ihn am Falzaregopass am Lagazuoi sehen.
Die Legende von Dolasilla
Von Bergen, Zwergen und der mutigen Königstochter
Dolasilla, die Kriegsheldin der Fanesleute, war die Königstochter im Fanesreich. Ihr Vater war ein mächtiger Mann und stets auf der Suche nach Reichtum. Als der König in der Nähe von Canazei nach Gold schürfte, wollte ihn eine Gruppe von Zwergen gefangen nehmen. Der Faneskönig ließ sich jedoch nicht bezwingen und stahl den Zwergen wertvolle Gegenstände. Dolasilla fürchtete die Rache der Zwerge und gab ihnen – ohne Wissen ihres Vaters – die geraubten Dinge zurück. Aus Dank überreichten ihr die Zwerge einen weißen Panzer, der sie vor Pfeilen schützen sollte. Sie sagten ihr eine Zukunft als große Kriegsheldin voraus und kündigten an, dass am Silbersee bald etwas heranwachsen würde. Gleichzeitig warnten sie sie: Sollte sich der Panzer eines Tages dunkel färben, dürfe sie nicht mehr in den Kampf ziehen, sonst würde sie sterben.

